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Projekt Realschule Weil am Rhein
geschrieben von: Mercedes53 am Donnerstag, 18. Februar 2010, 15:23 Uhr
Projekte

Hindernisse selbst erfahren und dabei lernen,
ein Projekt für soziales Engagement der Realschule Weil am Rhein.

Frau Elisabeth Geldermann, Lehrerin in der Realschule in Weil am Rhein, fragte
Anfang November 2009 ihren Nachbarn Bernhard Gerdes, der seit 2004 im Rollstuhl
sitzt, ob er an einem zweitägigen Schulprojekt für soziales Engagement für vier
Schulklassen der achten Klasse teilnehmen würde. Er erklärte sich sofort bereit
das Projekt zu begleiten. Das Weiler Rollinetzwerk unterstützte Bernhard Gerdes
dabei tatkräftig. Die Kontaktstellenleiterin Rosa Kamerling, auch
Rollstuhlfahrerin und Uwe Reimann, Rollstuhlfahrer, der sich im Behindertensport
engagiert, stellten sich dann gemeinsam mit Bernhard Gerdes den Schülern vor.
 



Bernhard Gerdes berichtete den Schülern über das Leben im Rollstuhl und
erklärte ihnen auf wie viele Barrieren Behinderte im Alltag stoßen. Dies wurde
durch eine Power Point Präsentation demonstriert, um den Schülern die
Situationen bildlich darzustellen. Alle Betroffenen kennen die Hürden des
Alltags, wie z.B. Gehwege, Treppen, Schalter etc.

Abschließend stellte Bernhard Gerdes die Frage in den Raum, ob sich
Rollstuhlfahrer auch helfen lassen wollen. Er rief die Schüler dazu auf, die
Betroffenen erst mal zu beobachten, um festzustellen ob sie wirklich Hilfe
brauchen und erst dann ihre Hilfe anzubieten. Man dürfe jedoch nicht beleidigt
sein, wenn jemand auch einmal Hilfe ablehne!

Bernhard Gerdes ging während seines Vortrags auch darauf ein, dass das Reisen
auch für Menschen im Rollstuhl möglich ist, wie z.B. mit dem Taxi, Bahn oder
Flugzeug

Rosa Kamerling, Kontaktstellenleiter vom Rollinetzwerk in Weil am Rhein, die
seit ihrer Kindheit Polio hat und auch Rollstuhlfahrerin ist, berichtete, dass
jede zweite Woche des Monats am Freitag in Weil ein Treffen für Rollstuhlfahrer
stattfindet und dass jeder Besucher willkommen ist. Auch wer zuverlässig bei
Ausflügen helfen möchte z.B. beim Schieben von Rollstuhlfahrern/innen, um
Hindernisse zu überwinden, sei natürlich herzlich willkommen.

Auch der Rollstuhlsport kam bei dem Schulprojekt nicht zu kurz. Die Schüler
staunten als Uwe Reimann aufzählte in wie vielen Sportdisziplinen sich auch
Rollstuhlfahrer messen. Er erklärte, dass dabei vor allem der Spaß am Sport, an
der Bewegung und am Freizeiterlebnis an erster Stelle steht.

Später ging es über zum praktischen Teil. Es wurden Übungen gemacht um z.B.
einen Rollstuhl zusammen zulegen, ihn in ein Auto zu verladen, die Räder
abzunehmen und wieder alles zusammen zu bauen.

In der Aula der Realschule fand ein kleines Rollstuhlfahrertraining statt. Dabei
ging es während des „Praxisteils“ im Foyer hoch her.

Natürlich durfte auch ein kleiner sportlicher Wettbewerb nicht fehlen! Dabei
erwiesen sich die Mädchen im Vergleich zu den Jungs als etwas geschickter. Der
aufgebaute Parcours musste gleichzeitig von zwei mal zwei Gruppen Mädchen gegen
Jungen bewältigt werden und es wurde das Durchfahren der Schuleingangstür mit
starkem Gasfederzug ohne Hilfe probiert. „Gar nicht so einfach“ stellten die
Schüler fest.

Anschließend mussten die Schüler zu einem Tisch fahren und einen mit Wasser
gefüllten Becher greifen, mit diesem um eine Säule herumfahren, den Becher mit
dem noch vorhandenen Wasser zurückstellen und danach über eine Rampe hin zum
Basketballkorb fahren.

Dann mussten alle Testpersonen einen Ball vom Rollstuhl aus aufheben und ihn in
den Korb werfen um dann so schnell wieder möglich wieder zurück durch die Tür
auf den Schulhof zu fahren.

Dann fand ein schneller Wechsel des Rollstuhlfahrers für das nächste
Teammitglied statt. Dasselbe wiederholte sich in der zweiten Gruppe, jedoch mit
Hilfe eines Fußgängers, der die Tür aufhielt, den Becher transportierte, über
die Rampe half und den Ball aufhob. Dies galt auch bei Fehltreffern in den Korb.
So konnten die Schüler erkennen, dass sie dabei um einiges schneller waren.

Das Schulprojekt war für die Mitglieder vom Rollinetzwerk eine tolle Erfahrung
und alle würden sich natürlich über Erfahrungsberichte und Reflexionen der
Schüler freuen. Dieser Wunsch wurde an die Schüler als Hausaufgabe
weitergegeben.

Am Freitag, den 6. November 2009, erhielt die Klasse zusätzlichen Besuch von den
Rollstuhlfahrern Christine und Patrick Breier, die Mitglied im Rollinetzwerk
sind und in Weil am Rhein wohnen. Zu dem Treffen wurde auch die regionale Presse
eingeladen.

Besonders zu erwähnen ist, dass die Selbsterfahrung für die Schüler nur möglich
war, weil das Sanitätshaus Lopez (www.sanitaetshaus-lopez.de) so freundlich war
mehrere Rollstühle für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Wir sagen
„herzlichen Dank!“

Teilnehmer die Realschüler Weil am Rhein
Klasse 8a Mi. 4. Nov. 2009 von 9:30 bis 11:00 Uhr
Klasse 8b Mi. 4. Nov. 2009 von 11:20 bis 12:50 Uhr
Klasse 8c Fr. 6. Nov. 2009 von 9:30 bis 11:00 Uhr
Klasse 8d Fr. 6. Nov. 2009 von 11:20 bis 12:50 Uhr
 


 
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