Willkommen bei den Lebensgeschichten
Der Berg ruft
Meine Frau und unsere Kleine Gwendolyne, erst 1,1/5 Jahre alt, sollten nachkommen, wenn ich (Oliver) einigermassen eingerichtet war.
In Zürich ist dass nämlich gar nicht so einfach, die Preise sind astronomisch hoch, da ist es gar nicht so einfach ein Apartment zu finden… Nach vielen Suchen hatte ich endlich eine Bleibe, schön gelegen aber ziemlich weit ab vom Schuss. Es sollte nur provisorisch sein, bis wir was besseres haben. Ein Auto hatte ich auch gekauft, ein Renault, geräumig, denn man weiss nie, die Familie könnte wachsen, ein Kind wäre auf Dauer vielleicht ein bisschen wenig, zwei wäre besser und drei wäre optimal. Und das beste von allem, der „Drachenflieger“war da! Sieben Jahre hatte ich ihn nicht benutzt, es wurde mal wieder Zeit, ihn auszuprobieren.
Meine Frau, sie ist die tollste Frau der Welt, ihr Name ist Beth, sollte in fünf Tagen nachkommen, gerade noch Zeit genug, um auf einen der vielen Hügel zu fahren, das Wetter ist grandios, was will man mehr! Also, den Drachen festzurren, Gepäck einladen und los geht’s! Auf halber Höhe musste ich noch tanken, man sah die Berge schon in der Ferne leuchten, ein zu schöner Anblick… Aber erst musste ich bezahlen, Benzin ist erstaulicherweise billig, vergleicht man es mit Deutschland oder einem anderen Land der EU. Auf dem Weg zum Schalter sehe ich plötzlich die Karten der einzelnen Staaten der EU auf der rechten Seite liegen, gut zu greifen, warum nicht?! Und dann gibt es noch einzelne Karten über die Gegend hier, sogar über „Scheidegg“ und dergleichen. Ich schaue mir die Karten an und plötzlich höre ich eine Stimme an meinem rechten Ohr: die Karten sind nicht zum öffnen, entweder sie kaufen sie oder sie lassen es sein! Ich drehe mich um und sehe den Kassierer die Karten wieder weglegen, „schöner Mist“! Zähne knirschend weiss ich jetzt gar nicht was ich machen soll, gar keine Landkarte zu kaufen ist auch blöd, besonders weil man die Alpennordwand wahrscheinlich nur hier zu kaufen kriegt. Also, sei’s drum, ich kaufe sie. Ohne etwas zu sagen lege ich das Geld auf den Schalter und verlasse das Gebäude. „Ich werde nie wieder hier tanken, das ist doch eine Frechheit, man muss doch wissen welche Karte am besten zu einem passt, Himmel noch mal!“ sage ich mir und sehe zu das ich keine weiteren Minuten hier verbringe.
Der Berg ruft, schnell bin ich wieder gut gelaunt, da vorne in nicht allzu weiter Ferne sind die Berge schon zu sehen. Ich möchte die „Scheidegg“ so gut wie möglich kennenlernen, also nähere ich mich langsam der Landebahn und mache eine genaue Inspektion. Ich bin guter Dinge, rufe noch schnell zu Hause in München an, so wie es sich eben gehört. Auf der Abschussrampe angekommen, packe ich ruhig den Drachen aus, es sind nur noch zwei andere Deltasegler da, die abfliegen wollen. Eigentlich ist es schon spät abzufliegen, die Sonne geht schon langsam unter, es ist nur noch eine Frage der Zeit und der Mond geht am Firmament auf. Also, schnell schnell!
Leider ist es nach so langer Zeit mühsam und die Sonne nur noch am Horizont zu sehen. Nach vielen Mühen hab’ ich es geschafft den Drachen flugtauglich zu machen. Jetzt nur noch den Drachen an die Abschussrampe bringen und dann fliegen, fliegen, fliegen… Ich nehme Schwung, eins, zwei, drei und bin in der Luft. Es ist so schön, frei zu sein, eins mit der Natur. Doch was ist das, eine Windböe ergreift plötzlich den Hängegleiter, und drückt ihn gegen einen Felsen… Es ist alles so schnell passiert, der Drachen liegt auf dem Boden, ich glaube ich werde ohnmächtig, zu schmerzhaft ist der Knochenbruch, das Trauma, der Leistenbruch,…
Nach zehn Minuten kommt auch schon der Hubschrauber mit den Rettungsleuten angeflogen, jede Minute entscheitet hier zwischen Leben und Tod. Im Nu fliegen sie mich zum Unispital nach Zürich, wo ich sofort operiert werde. Nach acht Tagen im Koma wache ich auf. Alles ist anders. Ich bin noch mal dem Tod entkommen. Ich will die Zeit nutzen, das beste aus mir zu machen und meiner Umgebung dies mitzuteilen. Gott schütze mich!
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